Papers by Christian Bendl
Polyhistorizität im öffentlichen Raum

Protest als diskursive Raum-Zeit-Aneignung. Das Beispiel der Identitären Bewegung Österreich
Zeitschrift für Angewandte Linguistik
This paper deals with the Identitarian Movement, a presently highly salient Europe-wide right-win... more This paper deals with the Identitarian Movement, a presently highly salient Europe-wide right-wing youth movement, and its appropriation of the concepts of ‘space’ and ‘time’ in acts of protest. This appropriation is crucial for the movement, as ‘space’ and ‘time’ refer to specific ideologies which allow a positioning towards events, actors and discourses. In this study interdisciplinary approaches are adapted that lead to a descriptive linguistic discourse analysis of a single protest event. In order to enable an extensive and in-depth analysis, this single protest event is split up in three parts: 1. The announcement of the protest, 2. its performance in a place and 3. the continuation of the protest in/through social media. The findings argue to take the ideologization of history, places and actors into account when discussing the identity-building concepts and, especially, when undertaking critical and political follow-up studies of such movements.
Wiener Linguistische Gazette, 2020
In this introductory article, we will outline the general aims and attempts of the special issue ... more In this introductory article, we will outline the general aims and attempts of the special issue at hand. We will introduce the central concepts, precarity and precariousness – or, for that matter, perceptions and constructions of those states –, and we will contextualize these concepts in relation to a range of other concepts with diverse disciplinary background, namely crisis, liminality, and ambivalence. We will unfold an interactional, metapragmatic notion of precarity perceptions and constructions as ‘social positioning on slippery ground’. Finally, the contributions to this special issue will be briefly introduced.

Protest als diskursive Raum-Zeit-Aneignung. Das Beispiel der Identitären Bewegung Österreich
Zeitschrift für Angewandte Linguistik (ZfAL), 2018
This paper deals with the Identitarian Movement, a presently highly salient Europe-wide right-win... more This paper deals with the Identitarian Movement, a presently highly salient Europe-wide right-wing youth movement, and its appropriation of the concepts of ‘space’ and ‘time’ in acts of protest. This appropriation is crucial for the movement, as ‘space’ and ‘time’ refer to specific ideologies which allow a positioning towards events, actors and discourses. In this study interdisciplinary approaches are adapted that lead to a descriptive linguistic discourse analysis of a single protest event. In order to enable an extensive and in-depth analysis, this single protest event is split up in three parts: 1. The announcement of the protest, 2. its performance in a place and 3. the continuation of the protest in/through social media. The findings argue to take the ideologization of history, places and actors into account when discussing the identity-building concepts and, especially, when undertaking critical and political follow-up studies of such movements.
DOI https://doi.org/10.1515/zfal-2018-0004

Wiener Linguistische Gazette, 2017
This paper introduces the approach this thematic issue deals with,
positioning theory. We provide... more This paper introduces the approach this thematic issue deals with,
positioning theory. We provide a survey of the development of this
theory, which has its origin in post-structural notions of the subject,
or the concept of discursive subject positions, for that matter. This
was adapted by social psychology, then re-framed and methodically
operationalized by conversation analysis and fnally imported into
sociolinguistics.
We will shed light on the different epistemological bases and
aims of the diverse positioning approaches and particularly comment
on the ‘micro/macro’ or ‘discourse/Discourse’ controversy
that delimits specific strands of positioning theory. Drawing on metapragmatics and concepts of stancetaking in discourse, we will
argue for an approach that attempts to connect the different contextual
scales rather than isolating them, an approach that conceives
of positing as a local and a discursive practive (Praxis and Praktik).
Finally, we will give an overview on the thematic issue and
briefly correlate the ensuing papers with the issue’s general aims.
Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.
Wir freuen uns, in dieser ersten Ausgabe in neuem Ers... more Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.
Wir freuen uns, in dieser ersten Ausgabe in neuem Erscheinungsbild
fünf Beiträge zu präsentieren, die im Folgenden kurz umrissen werden
sollen. Diese ersten fünf Beiträge bieten einen ersten Einblick in die Themen und Untersuchungsbereiche der Angewandten Sprachwissenschaft, wie sie unter anderem am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien betrieben wird – sowohl von Studierenden wie auch von Dozierenden.

Wenn in den letzten Jahren von Verschärfungen des Tons – oder kulturkritischer: von ›Verrohung‹ –... more Wenn in den letzten Jahren von Verschärfungen des Tons – oder kulturkritischer: von ›Verrohung‹ – im gesellschaftlichen Diskurs die Rede war, dann war damit zumeist, jedenfalls primär, gesellschaftspolitische Kommunikation im Internet, vor allem in Foren
und sozialen Netzwerken, gemeint. Dort, so der Anschein, können sich Menschen hinter dem Schleier von Pseudonymen ›hemmungslos austoben‹ (wie die Kritiker monieren) bzw. ›frei, ohne Einschränkung durch die Hegemonie der politischen Korrektheit ihre Meinung sagen‹ (wie es nicht zuletzt die sich äußernden Personen selbst häufig postulieren).
Was geht in den sozialen Netzwerken tatsächlich vor sich? Findet sich dort tatsächlich eine zunehmende politische Radikalisierung bis hin zu einem neuen Rassismus? Und wenn ja, wie äußert sich dies? Welche spezifischen Ausdrucksformen – von Sprache bis hin zu Bildern und Filmen – werden genutzt? Und sind die sozialen Netzwerke wirklich (herrschafts-)freie Zonen, die vox populi oder aber ein Hort der ›Unkultur‹? Am Beispiel rezenter Debatten und auf der Grundlage aktueller Forschungsbefunde zu computervermittelter (politischer) Kommunikation gehen wir in unserem Beitrag diesen Fragen nach.

Sonderdruck aus: Wiener Linguistische Gazette (WLG) 80 (2017): 1–26
Wenn in den letzten Jahren v... more Sonderdruck aus: Wiener Linguistische Gazette (WLG) 80 (2017): 1–26
Wenn in den letzten Jahren von Verschärfungen des Tons – oder kulturkritischer: von ›Verrohung‹ – im gesellschaftlichen Diskurs die Rede war, dann war damit zumeist, jedenfalls primär, gesellschaftspolitische Kommunikation im Internet, vor allem in Foren und sozialen Netzwerken, gemeint. Dort, so der Anschein, können sich Menschen hinter dem Schleier von Pseudonymen ›hemmungslos austoben‹ (wie die Kritiker monieren) bzw. ›frei, ohne Einschränkung durch die Hegemonie der politischen Korrektheit ihre Meinung sagen‹ (wie es nicht zuletzt die sich äußernden Personen selbst häufig postulieren).
Was geht in den sozialen Netzwerken tatsächlich vor sich? Findet sich dort tatsächlich eine zunehmende politische Radikalisierung bis hin zu einem neuen Rassismus? Und wenn ja, wie äußert sich dies? Welche spezifischen Ausdrucksformen – von Sprache bis hin zu Bildern und Filmen – werden genutzt? Und sind die
sozialen Netzwerke wirklich (herrschafts-)freie Zonen, die vox populi oder aber ein Hort der ›Unkultur‹? Am Beispiel rezenter
Debatten und auf der Grundlage aktueller Forschungsbefunde zu computervermittelter (politischer) Kommunikation gehen wir in unserem Beitrag diesen Fragen nach.
Other Publications by Christian Bendl

"Die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese. Das ko-konstructive Erfuellen eines al... more "Die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese. Das ko-konstructive Erfuellen eines altbekannten Prinzips." Poster presented at the 3rd GAL-Sektionentagung, Frankfurt (Oder), Germany, September 23-25, 2015. Published in: Journal of Multimodal Communication Studies, 1-2, 2015.
Poster:
http://jmcs.home.amu.edu.pl/wp-content/uploads/2016/07/Bendl_JMCS_GAL_2015.pdf
Begleittext zum Poster:
„Die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese. Das ko-konstruktive Erfüllen eines altbekannten Prinzips“. Präsentiert bei der GAL-Sektionentagung (Frankfurt/Oder), 24.9.2015
Christian Bendl, Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien, [email protected]
Im Rahmen einer MA-Arbeit (Betreuer: Prof. Florian Menz) und mehrerer Vorstudien wurden sieben Erstgespräche chronisch Kranker in einer homöopathischen Privatpraxis in Österreich aufgenommen und transkribiert. Die PatientInnen hatten zumeist keine oder nur geringe Vorerfahrungen mit Homöopathie und dem Gesprächsablauf einer Anamnese.
Ziel der Untersuchungen war es, Makro- und Mikrostrukturen von Anamnesegesprächen in der klassischen Homöopathie gesprächsanalytisch abzubilden und dabei besonders auf das Phänomen der Patientenbeteiligung – dem ko-konstruktiven Einbeziehen der PatientInnen – einzugehen. Des Weiteren wurden die methodologischen Bedingungen der Analyse diskutiert und umgesetzt. Schließlich wurden auch Unterschiede zur Allopathie (Allgemeinmedizin) erarbeitet.
Das methodische Vorgehen konzentriert sich auf die Gesprächsanalyse authentischer Gesprächsdaten in Form von Makro- und Sequenzanalysen unter interdisziplinärem Einbezug des Kontextes (vgl. Menz 1991; Brinker/Sager 2010; Deppermann 2008; Heritage/Maynard 2007). In diesem Vorgehen werden Äußerungen in ihrer Realisierung und in ihrer institutionalisierten Vorbedingung analysiert.
Die Dauer der Erstgespräche betrug durchschnittlich 60 Minuten. Sowohl Gesprächsthemen (körperliche und seelische Krankheitsbilder sowie soziale und private Umstände) als auch eine grobe Strukturierung (s. Poster: Phasengliederung) entsprechen den Vorgaben der Grundlagentexte aus dem 18. Jahrhundert sowie aktueller Sekundärliteratur der Homöopathie (Hahnemann 2001 und 2012; Schroyens 1993; Köhler 2008). Dies gilt insbesondere in Bezug auf Frageformulierungen und auf den hohen Grad des Einbezugs von PatientInnen.
Die Patientenbeteiligung wird von mehreren Mechanismen gesteuert: Das beidseitige Vorwissen ist Ausgangs- und Referenzpunkt im Gespräch. Eine arztseitige Steuerung erfolgt über vertrauensbildende Orientierungsmaßnahmen und (Nach-)Fragen, deren Formen u.a. die unterschiedlichen Phasen gliedern und Erzählungen ermöglichen. Fragen sind daher vertiefende Mittel der Ko-Konstruktion, die – funktional in den jeweiligen Phasen – auch längst vergessene Erlebnisse, Krankheiten oder sogar Symptome zu Tage bringen können.
Wie in der Literatur festgehalten, bieten zudem wortgetreue Notizen eine Möglichkeit, in dafür bestimmten Gesprächsphasen auf auffällige Äußerungen der PatientInnen nachträglich einzugehen. Zudem entsprechen sie Hörersignalen, die auf Relevanz des Gesagten verweisen.
Weiters äußert die Ärztin im Laufe des Gesprächs vermehrt Vermutungen, die auf den Notizen bzw. den Erzählungen basieren und patientenseitig korrigiert und vertieft werden können.
PatientInnen haben mit Erzählungen, die – besonders zu Beginn der Anamnese – wenig von der Ärztin gesteuert werden, eine Möglichkeit ihre Erfahrungen und (impliziten) Anliegen zu artikulieren. Die Anliegensbearbeitung dient der Konstituierung einer Patientenbeteiligung (Lalouschek 2013) und wird von der Ärztin initialisiert und zumeist ko-konstruktiv fortgesetzt.
Entstehen Pausen, werden diese nicht zwanghaft von der Ärztin gefüllt. Sie sind vielmehr ein konstruktiver Beitrag der Patientenbeteiligung, der eine patientenseitige Selbstreflexion und ein arztseitiges Nachfragen ermöglicht.
Wie die Auswertung der Grundlagenliteratur und der Gespräche zeigt, entspricht die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese einem partnerschaftlichem „Wir“, das PatientInnen eine tragende Rolle im ko-konstruktiven Gespräch zuschreibt.
Bibliographie (Auswahl)
Brinker, K./Sager, S. (2010), Linguistische Gesprächsanalyse, 5. Aufl., Berlin: Erich Schmidt.
Deppermann, A. (2008), Gespräche analysieren, 4. Aufl., Wiesbaden: VS.
Hahnemann, S. (2001), Gesammelte kleine Schriften, Heidelberg: Karl F. Haug.
Hahnemann, S. (2012), Organon 6 der Heilkunst, 3. Aufl., Buchendorf bei München: Peter Irl.
Köhler, G. (2008), Lehrbuch der Homöopathie, 9. Aufl., Stuttgart: Hippokrates-Verlag.
Heritage, J./Maynard, D. W., Hrsg. (2007), Communication in Medical Care. Interaction between primary care physicians and patients, Cambridge: Cambridge University Press.
Lalouschek, J. (2013), „Anliegensklärung im ärztlichen Gespräch – Patientenbeteiligung und neue
Formen medizinischer Kommunikation“, in: Florian Menz (Hrsg.), Migration und medizinische Kommunikation. Linguistische Verfahren der Patientenbeteiligung und Verständnissicherung in ärztlichen Gesprächen mit MigrantInnen, Göttingen: VuR unipress.
Menz, F. (1991), Der geheime Dialog. Medizinische Ausbildung und institutionalisierte Verschleierungen in der Arzt-Patient-Kommunikation. Eine diskursanalytische Studie, Frankfurt am Main: P. Lang.
Schroyens, F., Hrsg. (1993), Synthesis. Repertorium Homeopathicum Syntheticum, London: Homeopathic Book Publishers.
Complete Issues by Christian Bendl
Wiener Linguistische Gazette, 2020
Im Mittelpunkt dieses Themenhefts steht das Konzept der ›sozialen
Positionierung‹, das in verschi... more Im Mittelpunkt dieses Themenhefts steht das Konzept der ›sozialen
Positionierung‹, das in verschiedenen Feldern der Angewandten Sprachwissenschaft in den letzten Jahren (wieder) an Prominenz gewonnen hat.
Das Konzept selbst hat bereits eine lange und wechselvolle Geschichte
hinter sich und wird in unterschiedlichen Teildisziplinen auch sehr
unterschiedlich verstanden.
Books by Christian Bendl
Appropriation and Re-appropriation. The Memorial as a Palimpsest (Book Chapter)
Multilingual Memories Monuments, Museums and the Linguistic Landscape, edited by Robert Blackwood and John Macalister, 2020
MA-Thesis by Christian Bendl
Talks by Christian Bendl
Protest als mediatisierte Sinnstiftungspraktik: Das Beispiel Identitäre Bewegung Österreich
Der Vortrag arbeitet am Beispiel einer medial sehr aktiven (und, jedenfalls wenn man die Präsenz ... more Der Vortrag arbeitet am Beispiel einer medial sehr aktiven (und, jedenfalls wenn man die Präsenz in der massenmedialen Berichterstattung als Maßstab nimmt, auch erfolgreichen) rechtspopulistischen Protestbewegung heraus, wie Protest durch sozial registrierte Medienformate und -genres nicht einfach nur artikuliert und distribuiert, sondern als Protest überhaupt erst konstituiert wird. In den Blick genommen werden dabei nicht nur einzelne Genres und Formate, sondern insbesondere auch deren intergenerische Verkopplung sowie Mediatisierungs- und Textualisierungsprozesse, durch die eine Handlung zu einer ‚Protesthandlung‘ gemacht wird.
Die Konstituierung der Wiener Heldenplätze. Prozeduren der diskursiven und materiellen Raumwerdung
‚Wer (wider-)spricht?‘ Widerspruch und Widersprüchlichkeit als Praxis und Pol sozialer Positionierung
Rassismus in sozialen Netzwerken
Memories in Space. Discourses of Historicity on the Viennese Hero's Square
Zeit-Räume des Protests. Polyhistorizität und Historizitätsideologien im Diskurs der Identitären Bewegung Österreich
„Zeit-Räume des Protests. Polyhistorizität und Historizitätsideologien im Diskurs der Identitäre... more „Zeit-Räume des Protests. Polyhistorizität und Historizitätsideologien im Diskurs der Identitären Bewegung Österreich“, Workshop Sprache und Protest, Siegen (Germany), March 17, 2016.
Uploads
Papers by Christian Bendl
DOI https://doi.org/10.1515/zfal-2018-0004
positioning theory. We provide a survey of the development of this
theory, which has its origin in post-structural notions of the subject,
or the concept of discursive subject positions, for that matter. This
was adapted by social psychology, then re-framed and methodically
operationalized by conversation analysis and fnally imported into
sociolinguistics.
We will shed light on the different epistemological bases and
aims of the diverse positioning approaches and particularly comment
on the ‘micro/macro’ or ‘discourse/Discourse’ controversy
that delimits specific strands of positioning theory. Drawing on metapragmatics and concepts of stancetaking in discourse, we will
argue for an approach that attempts to connect the different contextual
scales rather than isolating them, an approach that conceives
of positing as a local and a discursive practive (Praxis and Praktik).
Finally, we will give an overview on the thematic issue and
briefly correlate the ensuing papers with the issue’s general aims.
Wir freuen uns, in dieser ersten Ausgabe in neuem Erscheinungsbild
fünf Beiträge zu präsentieren, die im Folgenden kurz umrissen werden
sollen. Diese ersten fünf Beiträge bieten einen ersten Einblick in die Themen und Untersuchungsbereiche der Angewandten Sprachwissenschaft, wie sie unter anderem am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien betrieben wird – sowohl von Studierenden wie auch von Dozierenden.
und sozialen Netzwerken, gemeint. Dort, so der Anschein, können sich Menschen hinter dem Schleier von Pseudonymen ›hemmungslos austoben‹ (wie die Kritiker monieren) bzw. ›frei, ohne Einschränkung durch die Hegemonie der politischen Korrektheit ihre Meinung sagen‹ (wie es nicht zuletzt die sich äußernden Personen selbst häufig postulieren).
Was geht in den sozialen Netzwerken tatsächlich vor sich? Findet sich dort tatsächlich eine zunehmende politische Radikalisierung bis hin zu einem neuen Rassismus? Und wenn ja, wie äußert sich dies? Welche spezifischen Ausdrucksformen – von Sprache bis hin zu Bildern und Filmen – werden genutzt? Und sind die sozialen Netzwerke wirklich (herrschafts-)freie Zonen, die vox populi oder aber ein Hort der ›Unkultur‹? Am Beispiel rezenter Debatten und auf der Grundlage aktueller Forschungsbefunde zu computervermittelter (politischer) Kommunikation gehen wir in unserem Beitrag diesen Fragen nach.
Wenn in den letzten Jahren von Verschärfungen des Tons – oder kulturkritischer: von ›Verrohung‹ – im gesellschaftlichen Diskurs die Rede war, dann war damit zumeist, jedenfalls primär, gesellschaftspolitische Kommunikation im Internet, vor allem in Foren und sozialen Netzwerken, gemeint. Dort, so der Anschein, können sich Menschen hinter dem Schleier von Pseudonymen ›hemmungslos austoben‹ (wie die Kritiker monieren) bzw. ›frei, ohne Einschränkung durch die Hegemonie der politischen Korrektheit ihre Meinung sagen‹ (wie es nicht zuletzt die sich äußernden Personen selbst häufig postulieren).
Was geht in den sozialen Netzwerken tatsächlich vor sich? Findet sich dort tatsächlich eine zunehmende politische Radikalisierung bis hin zu einem neuen Rassismus? Und wenn ja, wie äußert sich dies? Welche spezifischen Ausdrucksformen – von Sprache bis hin zu Bildern und Filmen – werden genutzt? Und sind die
sozialen Netzwerke wirklich (herrschafts-)freie Zonen, die vox populi oder aber ein Hort der ›Unkultur‹? Am Beispiel rezenter
Debatten und auf der Grundlage aktueller Forschungsbefunde zu computervermittelter (politischer) Kommunikation gehen wir in unserem Beitrag diesen Fragen nach.
Other Publications by Christian Bendl
Poster:
http://jmcs.home.amu.edu.pl/wp-content/uploads/2016/07/Bendl_JMCS_GAL_2015.pdf
Begleittext zum Poster:
„Die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese. Das ko-konstruktive Erfüllen eines altbekannten Prinzips“. Präsentiert bei der GAL-Sektionentagung (Frankfurt/Oder), 24.9.2015
Christian Bendl, Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien, [email protected]
Im Rahmen einer MA-Arbeit (Betreuer: Prof. Florian Menz) und mehrerer Vorstudien wurden sieben Erstgespräche chronisch Kranker in einer homöopathischen Privatpraxis in Österreich aufgenommen und transkribiert. Die PatientInnen hatten zumeist keine oder nur geringe Vorerfahrungen mit Homöopathie und dem Gesprächsablauf einer Anamnese.
Ziel der Untersuchungen war es, Makro- und Mikrostrukturen von Anamnesegesprächen in der klassischen Homöopathie gesprächsanalytisch abzubilden und dabei besonders auf das Phänomen der Patientenbeteiligung – dem ko-konstruktiven Einbeziehen der PatientInnen – einzugehen. Des Weiteren wurden die methodologischen Bedingungen der Analyse diskutiert und umgesetzt. Schließlich wurden auch Unterschiede zur Allopathie (Allgemeinmedizin) erarbeitet.
Das methodische Vorgehen konzentriert sich auf die Gesprächsanalyse authentischer Gesprächsdaten in Form von Makro- und Sequenzanalysen unter interdisziplinärem Einbezug des Kontextes (vgl. Menz 1991; Brinker/Sager 2010; Deppermann 2008; Heritage/Maynard 2007). In diesem Vorgehen werden Äußerungen in ihrer Realisierung und in ihrer institutionalisierten Vorbedingung analysiert.
Die Dauer der Erstgespräche betrug durchschnittlich 60 Minuten. Sowohl Gesprächsthemen (körperliche und seelische Krankheitsbilder sowie soziale und private Umstände) als auch eine grobe Strukturierung (s. Poster: Phasengliederung) entsprechen den Vorgaben der Grundlagentexte aus dem 18. Jahrhundert sowie aktueller Sekundärliteratur der Homöopathie (Hahnemann 2001 und 2012; Schroyens 1993; Köhler 2008). Dies gilt insbesondere in Bezug auf Frageformulierungen und auf den hohen Grad des Einbezugs von PatientInnen.
Die Patientenbeteiligung wird von mehreren Mechanismen gesteuert: Das beidseitige Vorwissen ist Ausgangs- und Referenzpunkt im Gespräch. Eine arztseitige Steuerung erfolgt über vertrauensbildende Orientierungsmaßnahmen und (Nach-)Fragen, deren Formen u.a. die unterschiedlichen Phasen gliedern und Erzählungen ermöglichen. Fragen sind daher vertiefende Mittel der Ko-Konstruktion, die – funktional in den jeweiligen Phasen – auch längst vergessene Erlebnisse, Krankheiten oder sogar Symptome zu Tage bringen können.
Wie in der Literatur festgehalten, bieten zudem wortgetreue Notizen eine Möglichkeit, in dafür bestimmten Gesprächsphasen auf auffällige Äußerungen der PatientInnen nachträglich einzugehen. Zudem entsprechen sie Hörersignalen, die auf Relevanz des Gesagten verweisen.
Weiters äußert die Ärztin im Laufe des Gesprächs vermehrt Vermutungen, die auf den Notizen bzw. den Erzählungen basieren und patientenseitig korrigiert und vertieft werden können.
PatientInnen haben mit Erzählungen, die – besonders zu Beginn der Anamnese – wenig von der Ärztin gesteuert werden, eine Möglichkeit ihre Erfahrungen und (impliziten) Anliegen zu artikulieren. Die Anliegensbearbeitung dient der Konstituierung einer Patientenbeteiligung (Lalouschek 2013) und wird von der Ärztin initialisiert und zumeist ko-konstruktiv fortgesetzt.
Entstehen Pausen, werden diese nicht zwanghaft von der Ärztin gefüllt. Sie sind vielmehr ein konstruktiver Beitrag der Patientenbeteiligung, der eine patientenseitige Selbstreflexion und ein arztseitiges Nachfragen ermöglicht.
Wie die Auswertung der Grundlagenliteratur und der Gespräche zeigt, entspricht die Patientenbeteiligung in der homöopathischen Anamnese einem partnerschaftlichem „Wir“, das PatientInnen eine tragende Rolle im ko-konstruktiven Gespräch zuschreibt.
Bibliographie (Auswahl)
Brinker, K./Sager, S. (2010), Linguistische Gesprächsanalyse, 5. Aufl., Berlin: Erich Schmidt.
Deppermann, A. (2008), Gespräche analysieren, 4. Aufl., Wiesbaden: VS.
Hahnemann, S. (2001), Gesammelte kleine Schriften, Heidelberg: Karl F. Haug.
Hahnemann, S. (2012), Organon 6 der Heilkunst, 3. Aufl., Buchendorf bei München: Peter Irl.
Köhler, G. (2008), Lehrbuch der Homöopathie, 9. Aufl., Stuttgart: Hippokrates-Verlag.
Heritage, J./Maynard, D. W., Hrsg. (2007), Communication in Medical Care. Interaction between primary care physicians and patients, Cambridge: Cambridge University Press.
Lalouschek, J. (2013), „Anliegensklärung im ärztlichen Gespräch – Patientenbeteiligung und neue
Formen medizinischer Kommunikation“, in: Florian Menz (Hrsg.), Migration und medizinische Kommunikation. Linguistische Verfahren der Patientenbeteiligung und Verständnissicherung in ärztlichen Gesprächen mit MigrantInnen, Göttingen: VuR unipress.
Menz, F. (1991), Der geheime Dialog. Medizinische Ausbildung und institutionalisierte Verschleierungen in der Arzt-Patient-Kommunikation. Eine diskursanalytische Studie, Frankfurt am Main: P. Lang.
Schroyens, F., Hrsg. (1993), Synthesis. Repertorium Homeopathicum Syntheticum, London: Homeopathic Book Publishers.
Complete Issues by Christian Bendl
Positionierung‹, das in verschiedenen Feldern der Angewandten Sprachwissenschaft in den letzten Jahren (wieder) an Prominenz gewonnen hat.
Das Konzept selbst hat bereits eine lange und wechselvolle Geschichte
hinter sich und wird in unterschiedlichen Teildisziplinen auch sehr
unterschiedlich verstanden.
Books by Christian Bendl
MA-Thesis by Christian Bendl
Talks by Christian Bendl